Releasing - ein Plädoyer für die Intelligenz des Herzens

von Axel Dreyer

(Kurzfassung)

Releasing im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kontext

Als ich begann, den Vortrag auszuarbeiten (2005), stellte ich verwundert fest, dass das Thema „die Intelligenz des Herzens", Intuition und Inspiration in sehr verschiedenen Zeitschriften aufgegriffen wurde. Natürlich wird man zu diesem Thema auch im Internet fündig. Wieso ist plötzlich das Unkalkulierbare, das subjektive Empfinden, die Dimension des Herzens wieder von Interesse? Lange saßen sie auf der Ersatzbank, weil nur der Verstand als strukturierende, Ordnung schaffende Kraft akzeptiert wurde.

Der russische Volkswirtschaftler Kondratieff (1892-1938) hat für unsere Zeit die psychosoziale Kompetenz als entscheidenden Wirtschaftsfaktor vorausgesagt. Wenn sich seine Voraussage bewahrheitet, zeichnen sich gewaltige gesellschaftliche Veränderungen ab. Standen bisher Maschinen, Technik und die Naturwissenschaften im Vordergrund, rückt jetzt der Mensch mehr und mehr ins Zentrum des Geschehens. Die Entwicklung verläuft von einem Gegeneinander zum Miteinander, von „kalter" Ratio zur mit- und einfühlenden Begegnung auf seelisch-geistiger Ebene.

In diesem Zusammenhang sind die Gedanken von Karl-Heinz Brodbeck, Prof. für Volkswirtschaftslehre, wie er sie in seinem Buch „Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie" ausführt, sehr aufschlussreich.

Die Wirtschaft muss, wenn sie einen bedeutsamen Beitrag zu den Problemen des Wirtschaftswachstums und der Entwicklung leisten will, ihre Grundlagen hinterfragen. Das heißt z.B. keine Nutzenmaximierung um jeden Preis, keine nur von egoistischen Interessen geprägte Wettbewerbe, gerade auch angesichts neuer Technologien, Rücksichtnahme auf die ökologischen Verhältnisse und vor allem die Aufgabe des Irrglaubens, dass aus dem Lot geratene Systeme sich, in einer für den Menschen verträglichen Weise, selbst korrigieren und zum Gleichgewicht zurückkehren. Der Maßstab der Ökonomie ist der Mensch.

Das wird von manchen Unternehmern und führenden Managern bereits durchaus akzeptiert. Sie erkennen die Bedeutung der psychosozialen Kompetenz als entscheidenden Wirtschaftsfaktor. Eine klare Wahrnehmung, Lern- und Einsatzbereitschaft drücken sich zwar nicht direkt in der Bilanz aus, aber wenn die Mitarbeiter eines Unternehmens auch in Zukunft nur ihre Sachkompetenz steigern und nicht auch ihr Menschen- und Selbstbild erweitern, so dass ein wirklich humanes, von gegenseitigem Respekt getragenes Betriebsklima die Norm ist, wird ein solches Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

In dieser gesellschaftlichen Situation ist Releasing ein sehr brauchbares Instrument. In den vergangenen 20 Jahren hat es dazu beigetragen, dass viele tausend Menschen ihre psychosoziale Kompetenz ausbauen konnten. Es setzt Potenziale im Menschen frei, die bis dahin schlummerten und die in Handlung umgesetzt, nicht nur einen Entwicklungsschub zum Wohl des Einzelnen auslösen, sondern auch für das Gelingen des kollektiven Ganzen bedeutsam sind. Releasing integriert und schafft einen enormen Raum an Akzeptanz und Transparenz. Auf natürliche Weise entsteht ein Klima gegenseitigen Vertrauens, in dem die Intelligenz des Herzens nicht mehr die Ausnahme, sondern eine Selbstverständlichkeit ist.

Releasing für wen

Wer sich für Releasing interessiert, ist am Leben interessiert und stellt Fragen wie:

  • Von welchen grundlegenden Überzeugungen lasse ich mich leiten? (Überzeugungen schaffen Realität)
  • Was hält mich davon ab, glücklicher zu sein, in Frieden und Harmonie zu leben, grundsätzlich Ja zu mir selbst und zum Leben zu sagen und dieses Ja bedingungslos mit anderen zu teilen ?

Releasing macht uns auf lebensverneinende Programme (Angst, Kontrolle, Überheblichkeit usw.) aufmerksam und ersetzt sie durch lebensbejahende (Mut, Freude, Wertschätzung usw.) Releasing stellt die Frage, welches Verhalten ist dem von mir erklärten Ziel am zweckdienlichsten und zeigt mentale, emotionale und seelische Barrieren auf, die dem Erreichen des Ziels entgegenstehen.

Das Computermodell

Zum leichteren Verständnis der Gesetzmäßigkeiten und Prinzipien der Releasing-Praxis wird gerne das sogenannte Computermodell benutzt.

Durch unsere physischen Sinne nehmen wir Informationen auf und speichern sie auf der Festplatte, unserem Gehirn. Manche Informationen stehen uns aktuell zur Verfügung, andere, die wir momentan nicht verwerten oder verarbeiten können, werden im Unterbewusstsein abgespeichert. Wir sind alles in einem, der Computerbenutzer, der Computer und der Programmierer. Wir programmieren uns selbst mit unseren Erfahrungen und den daraus entstehenden Konzepten. Wir kreieren unsere eigene Software. Unsere Verfassung, unser Lebensgefühl, unsere Lebensumstände sind der Ausdruck. Releasing ist, wenn man so will, ein Suchprogramm, das sich mit der Seele verbindet und herauszufinden versucht, woher die Erfahrungen, Konzepte und Erinnerungen kommen. Wenn man beim Suchen auf ein nicht zweckdienliches Programm stößt, drückt man die Löschtaste, so dass der Festplatte wieder mehr Kapazität zur Verfügung steht und der Computer störungsfreier arbeiten kann. Wenn wir unser Gehirn mit untauglichen oder unvollständigen Informationen „füttern", müssen unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen zwangsläufig zu unbefriedigenden Ergebnissen führen.

Die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins durch Releasing

Zu Beginn der Reise durch verschiedene Bewusstseinsräume geht es um die Frage: Bin ich geistig-seelisch überhaupt anwesend, das heißt bin ich mir meiner Tiefendimension bewusst? Sage ich kompromisslos ja zu meinem Leben und fühle mich von „Mutter Erde" getragen und genährt? Kurzum, kann ich von mir behaupten, ich empfinde so etwas wie Urvertrauen?

Was und wer wir sind, hängt hauptsächlich von unseren Glaubensvorstellungen ab. Einige sind uns bewusst, andere nicht. Es besteht eine Wechselbeziehung zwischen unseren Glaubensvorstellungen, unseren Erfahrungen, den Gefühlen und unserem körperlichen Zustand. Auf die Gemeinschaft bezogen, stellen sich Fragen wie: Ist der Ist-Zustand, Ausdruck dessen, wer und was wir sind? Haben wir diesen Zustand tatsächlich gewählt? Gibt es möglicherweise einen anderen Weg, der uns näher an das heranbringt, wie wir auf diesem Planeten wirklich leben wollen? Die Zeit einzelner charismatischer Persönlichkeiten, die die Dinge für uns regeln, ist vorbei. Nicht dass wir auf jede Anleitung verzichten können, Fachleute bzw. Menschen, die uns auf unserem Weg ein Stück voraus sind, sind immer gefragt. Aber das heißt nicht, dass wir unsere Kompetenz und unsere Eigenverantwortung aufgeben und an sie abtreten. Wir haben uns lange hinter den Rücken der „Stellvertreter Gottes auf Erden", seien es religiöse und politische Führer versteckt, aus Angst oder aus Bequemlichkeit. Jetzt gilt es, aus dem Schatten ins Licht zu treten, um kund zu tun, wer wir sind.

Nur wenn das Tun aus einem Seinszustand hervorgeht, stellen sich dauerhafte Veränderungen ein. Man kann nicht friedvoll tun, man kann nur friedvoll sein. Man kann nicht liebevoll tun, man kann nur liebevoll sein. Jede Veränderung beginnt mit einer Verlagerung des Bewusstseins von außen nach innen, vom Tun zum Sein, vom Körper zur Seele.

Der Ablauf einer Releasing-Sitzung

Wenn sich jemand zum ersten Mal zu einer Releasing-Sitzung entscheidet, fragt der Releaser den Klienten natürlich was ihn bewogen hat zu kommen und was er sich von der Zusammenarbeit verspricht. Er wird sich nach Begebenheiten aus dem Leben des Klienten erkundigen, die für ihn von Bedeutung waren. Auch in der Frage, ob dem Klienten spontan eine seiner Grundüberzeugungen, die sein Leben bisher geprägt haben, einfällt (z.Bsp.: „Wenn ich im Leben erfolgreich sein will, muss ich kämpfen"), liegt oft schon ein Anhaltspunkt für die darauffolgende Releasing-Arbeit. Schließlich werden die notwendigen Releasing-Prinzipien erklärt, woraufhin sich der Klient auf den Rücken legt und es sich bequem macht.

Dem Loslassen geht ein Erkenntnisprozess voraus, durch den der Klient unterscheiden kann, welche seiner Lebenseinstellungen und Verhaltensweisen seinem Wunsch nach mehr Sinnhaftigkeit und Lebensfreude zugute kommen und welche nicht. Wer loslässt, entscheidet sich, überflüssiges Seelenmaterial aufzugeben und sich von dessen Einfluss auf sein Bewusstsein zu befreien.

Wenn alte Konzepte und Entscheidungen losgelassen werden, empfiehlt es sich, neue, positive und lebensbejahende Entscheidungen und Einstellungen, die mit der Seelenebene übereinstimmen, auszusprechen und sich einzuprägen. Unser Bewusstsein erhält dadurch eine neue Ausrichtung.

Eine Releasing-Sitzung ist abgeschlossen, wenn der Klient emotional, mental und seelisch im Gleichgewicht ist. Er hat anregende Impulse bekommen, die seinen Einstellungen, seinem Bewusstsein und seinem Verhalten eine andere Richtung geben. Er wendet sich zuversichtlich und mit neuer Kraft seiner Alltagsrealität zu.

Releasing wird sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen angeboten.

 


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